Was tut der Kulturjournalist mit Anspruch, wenn eine Band seit Jahren mit immer dem selben Programm die jedes Mal gleich ausgelassene Party feiert – und auf frenetische Begeisterung und abgöttische Liebe beim Publikum trifft? Dem entsprechend die gleichen Attribute beschwören und in den Jubel einstimmen? Die fehlende Veränderung als Stillstand kritisieren? Die altbekannte Programmauswahl als Ausdruck einer wohltuenden Kontinuität loben?
Nichts dergleichen sollte er tun – sondern im Altbekannten das immer wieder Neue entdecken, die feinen Veränderungen, die Nuancen und die skurrilen Miniverwerfungen, die sich in jeder Bandgeschichte finden lassen.
Einen perfekten Anlass für derlei gab am vergangenen Samstag Abend im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ die wohlbekannte Formation „Paddy goes to Holyhead“ (PGTH). Die in den letzten 25 Jahren in ständig neu gemischten Besetzungen - stets auch Stimmungsbarometer für den Gesamtzustand der Truppe mit der höchst wechselvollen Geschichte - immer wieder in der Rennstadt aufschlagenden „Paddies“ sind nach wie vor und ungebrochen die wohl bekanntesten Irish-Folk-Rocker der Nation. Mit ganz eigenem Charakter und einem angesichts der Verwerfungen in der Bandhistorie durchaus erstaunlich treuen Publikum, das jedes der PGTH-Konzerte mit einer Riesenparty und einer an Ekstase grenzenden frenetischen Begeisterung quittiert.
So auch jüngst: Diesmal hatte Frontmann und uneingeschränkter PGTH-Leitstern „Paddy Schmidt“ alias Harald Kligge, dessen charaktervolle Stimme und anfeuernde Gitarre die Grundlinie der Band maßgeblich bestimmt, neben Akkordeonist und Keyboarder Jo Naumann, Hell-Drummer Kalle Spriestersbach und Relax-Bassist Uwe „Uhu“ Bender mal wieder Helen Mannert als Teufelsgeigerin dabei – die Position übrigens, die in den 25 Jahren seit die Band 1988 in Darmstadt zusammenkam, die meistbeachtetsten Wechsel durchlebte – es fallen Namen wie Almut Ritter, Mathias Kohlmann, Nicole Ansperger, durchaus auch wehmütig.
Diesmal also wieder in einer neuen Variante – aber mit dem bestens bekannten „Celtic Continental Music“-Sound, angemischt aus traditionellen irischen Motiven, brandaktuellen Themen und Klängen, keltischer Musiksprache und weltmusikalischem Grundtenor. In diesem erlangten die großen Renner, aus denen das Programm – wie gehabt – bestand, einen zeitlosen Kult-Status, den PGTH eigentlich nur noch abfeiern muss: Zwei Stunden irgendwo im Taumel zwischen „Seldom Sober“, „Here‘s to the People“, „Gipsies‘s Wedding Day“ und „Desiree“. Jeder Titel ein Mitmacher, jedes Stück bestens bekannt, sodass Paddy Schmidt es locker angehen lassen konnte, das lupenrein textsichere Publikum „Far away“ minutenlang allein singen zu lassen. Zwischen die vielen Einheizer für die Party-Garantie streute PGTH in gewohnter Manier die ein oder anderen Gänsehaut-Hymne, darunter „Jhonny went to war“, der wohl erfolgreichste Titel der Bandgeschichte, und das zärtliche Glanzstück „Titanic“.
Vom ersten Ton bis zum letzten Klang der langanhaltend verlangten mehrfachen Zugabe „A last song“ war auch der jüngste Auftritt der Paddies wieder ein Fest zwischen Party und reinster Begeisterung. Wie immer: Neu.
Weitere Informationen im Internet unter www.paddy.de